Sie putzen morgens und abends, nehmen sich Zeit und drücken an den schwierigen Stellen etwas fester auf. Beim Kontrolltermin zeigt die Zahnärztin trotzdem auf Belag: am Zahnfleischrand, hinten an den Backenzähnen, zwischen zwei Zähnen.
Zahnbelag trotz Zähneputzen ist weit verbreitet. Ein Team der Universität Gießen um die Medizinpsychologin Prof. Dr. Renate Deinzer hat in Laborstudien mit weit über 1.000 Teilnehmenden untersucht, wie gut Erwachsene ihre Zähne putzen. Selbst nach dem bestmöglichen Putzen saß bei etwa der Hälfte der Zähne noch Plaque am Zahnfleischrand, in allen Altersgruppen und unabhängig vom Bildungsstand.
Kurz gesagt: Zahnbelag bleibt selten liegen, weil zu schwach geputzt wurde. Er bleibt an Stellen liegen, die die Bürste gar nicht oder nur flüchtig erreicht. Diese blinden Flecken liegen am Zahnfleischrand, an den Innenflächen, an den hintersten Backenzähnen, in den Zahnzwischenräumen und an den Rändern von Kronen, Spangen und Implantaten. Mehr Druck ist dafür nicht die Lösung. Was hilft, sind eine feste Reihenfolge, die richtige Stelle zum Ansetzen und einmal täglich die Zwischenraumbürste.
Warum habe ich Zahnbelag, obwohl ich gründlich putze?
Weil „gründlich“ im Alltag meist lange und kräftig bedeutet, aber nicht überall. Die Gießener Videoanalysen zeigen ein klares Muster: Viele Menschen wechseln beim Putzen ohne System zwischen den Mundbereichen, lassen ganze Zahnreihen aus und vernachlässigen vor allem die Innenflächen, die schwerer zu sehen und zu erreichen sind.
An der Putzdauer liegt es nicht. In einer Gießener Studie sollten 98 junge Erwachsene so gut putzen, wie sie konnten. Sie putzten deutlich länger als eine Vergleichsgruppe, die wie gewohnt putzte. Die zusätzliche Zeit floss aber in die Außen- und Kauflächen. Die Innenflächen kamen in beiden Gruppen ähnlich zu kurz.
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) fasst die Ergebnisse so zusammen: Das Ziel ist keine bestimmte Putzzeit, sondern die vollständige Reinigung aller Zähne, besonders am Zahnfleischrand, mindestens einmal am Tag.
Wo bleibt Zahnbelag am häufigsten liegen?
An fünf Stellen, die beim Putzen oft zu kurz kommen. Die Tabelle zeigt sie im Überblick, darunter stehen die Details.
| Stelle | Warum die Bürste dort schlecht ankommt | Was hilft |
|---|---|---|
| Zahnfleischrand | Die Borsten laufen über die Zahnfläche, der Saum bleibt aus | Bürste schräg ansetzen, halb auf dem Zahn, halb auf dem Zahnfleisch |
| Innenflächen | Im Spiegel nicht zu sehen, die Hand muss umgreifen | Feste Reihenfolge, Frontzähne innen mit senkrecht gehaltener Bürste |
| Hinterste Backenzähne | Wenig Platz, die Rückseite gehört zu keiner Putzbahn | Die Rückseite des letzten Zahns bewusst mitnehmen |
| Zahnzwischenräume | Borsten kommen nicht hinein | Einmal täglich Zwischenraumbürste, bei engen Lücken Zahnseide |
| Ränder von Kronen, Spangen und Implantaten | Kanten und Drähte bilden Nischen | Stellen einzeln ansteuern, Hilfsmittel in der Praxis zeigen lassen |

1. Der Zahnfleischrand
Am Übergang vom Zahn zum Zahnfleisch saß in den Gießener Untersuchungen nach dem Putzen bei etwa jedem zweiten Zahn noch Belag. Nach Einschätzung der Studienleiterin ist vielen Menschen gar nicht bewusst, wie wichtig das Putzen genau an dieser Stelle ist.
So setzen Sie an: Halten Sie die Bürste in einem Winkel von etwa 45 Grad, sodass die Borsten halb auf dem Zahn und halb auf dem Zahnfleisch liegen. Dann folgen kleine rüttelnde oder kreisende Bewegungen mit wenig Druck.
2. Die Innenflächen
Die Zungen- und Gaumenseite der Zähne sehen Sie im Spiegel nicht, und die Hand muss dafür umgreifen. In den Videoanalysen wurden gerade diese Flächen häufig ausgelassen. Für die Innenseite der Frontzähne hilft ein Handgriff: Stellen Sie die Bürste senkrecht und arbeiten Sie mit der Spitze des Bürstenkopfs.
3. Die hintersten Backenzähne
An den Backenzähnen fanden die Forschenden mehr Plaque als an den Frontzähnen. Besonders leicht vergessen wird die Rückseite des letzten Zahns jeder Reihe. Sie gehört weder zur Außen- noch zur Innenfläche und wird deshalb beim gewohnten Ablauf nicht mit abgefahren.

4. Die Zahnzwischenräume
Die Zwischenräume machen bis zu 40 Prozent der Zahnoberfläche aus. Die S3-Leitlinie der Fachgesellschaften DG PARO und DGZMK zur häuslichen Zahnpflege hält fest, dass sich diese Flächen mit der Zahnbürste allein nicht reinigen lassen. Sie empfiehlt an erster Stelle Zwischenraumbürsten. Zahnseide ist für Lücken gedacht, in die keine Bürste passt.
Die Studienlage ist dabei dünner, als man erwarten würde. Eine Cochrane-Übersicht von 2019 mit 35 Studien und 3.929 Erwachsenen kommt zu dem Ergebnis, dass Zwischenraumbürsten zusätzlich zum Putzen Zahnfleischentzündungen und Plaque kurzfristig verringern können. Die Autoren stufen die Verlässlichkeit dieser Ergebnisse aber als niedrig ein.
5. Ränder von Kronen, Spangen und Implantaten
Wo eine Krone endet, ein Bracket klebt oder ein Retainer-Draht verläuft, entstehen Kanten und Nischen. Die DGZMK nennt schlecht sitzende Kronenränder und lockere Füllungen ausdrücklich als Hygienehindernisse, die in der Praxis behoben werden sollten. Für Implantate gelten laut Leitlinie dieselben Empfehlungen zur häuslichen Pflege wie für eigene Zähne.
Mehr dazu lesen Sie in unseren Beiträgen zur Mundpflege mit Zahnspange oder Retainer und zur Implantatpflege.
Hilft es, an schwierigen Stellen fester zu drücken?
Nein. Ab einem bestimmten Punkt entfernt mehr Druck nicht mehr Belag, er biegt nur die Borsten um. Eine Borste reinigt mit ihrer Spitze, nicht mit dem Schaft. Wer aufdrückt, legt die Borsten flach. Die Spitzen verlieren dann den Kontakt genau dort, wo sie arbeiten sollen.
Forschende der Universität Newcastle haben das gemessen. Zwölf Freiwillige putzten mit einer elektrischen Zahnbürste in 16 Kombinationen aus Putzzeit und Druck. Bei zwei Minuten Putzzeit brachte ein Druck von mehr als 150 Gramm praktisch keinen zusätzlichen Plaque-Abtrag. Die Studie ist klein, als Größenordnung taugt sie trotzdem. Wie sich 150 Gramm anfühlen, zeigt eine Küchenwaage: Bürste aufsetzen und drücken, bis die Anzeige diesen Wert erreicht.
Zu viel Druck hat dagegen Nebenwirkungen. Er kann das Zahnfleisch belasten und auf Dauer zurückweichen lassen. Trotzdem wird viel geschrubbt: In der Gießener Studie bestanden rund 40 Prozent der Putzzeit an den Seitenflächen aus Schrubbbewegungen. Was das für das Zahnfleisch bedeutet, lesen Sie in unseren Beiträgen Zahnfleischbluten beim Zähneputzen und Warum Druck keine Sauberkeit ist.
Wie putze ich so, dass keine Stelle ausgelassen wird?
Mit einer festen Reihenfolge, die Sie jeden Tag gleich abfahren. Sechs Schritte reichen:
- Reihenfolge festlegen. Zum Beispiel: Außenflächen oben, Außenflächen unten, Innenflächen oben, Innenflächen unten, zuletzt die Kauflächen. Beginnen Sie immer am selben Zahn.
- Am Zahnfleischrand ansetzen. Die Bürste steht schräg, die Borsten liegen halb auf dem Zahn und halb auf dem Zahnfleisch.
- Abschnitt für Abschnitt vorgehen. Zwei bis drei Zähne mit kleinen Bewegungen reinigen, dann weiterrücken.
- Die Sonderstellen mitnehmen. Die Innenseite der Frontzähne mit senkrecht gehaltener Bürste, dazu die Rückseite der letzten Backenzähne.
- Einmal täglich die Zwischenräume reinigen. Lassen Sie sich die passende Größe der Zwischenraumbürsten in der Praxis zeigen.
- Mindestens zwei Minuten einplanen. Die gründliche Runde passt am besten in den Abend.
Die Leitlinie betont dabei: Wichtiger als die Uhr ist, dass die Runde jeden Tag vollständig ist.
Reicht eine elektrische Zahnbürste gegen die blinden Flecken?
Nicht von allein. In den Gießener Untersuchungen zeigten auch Menschen mit elektrischer Zahnbürste Putzdefizite. Die Leitlinie sieht bei elektrischen Bürsten gegenüber Handzahnbürsten einen statistisch messbaren, aber nur geringen Vorteil bei Zahnfleischentzündungen.
Eine elektrische Bürste nimmt Ihnen die Bewegung ab, nicht den Weg. Hinführen müssen Sie sie weiterhin selbst, an jede der fünf Stellen. Die Zwischenräume bleiben Aufgabe der Zwischenraumbürste.
Was ändert eine Ultraschallzahnbürste an diesen Stellen?
Sie ändert nicht, wohin Sie die Bürste führen müssen. Sie ändert, wie Sie putzen: ohne Schrubben und mit wenig Druck.
Die MEGASONEX Ultraschallzahnbürste arbeitet mit Ultraschall bei 1,6 MHz. Erzeugt wird er vom Megacrystal in der Spitze des Handstücks, direkt unter dem Bürstenkopf. Die Borstenbewegung lässt sich in drei Stufen wählen: 18.000 oder 9.000 Schallbewegungen pro Minute oder reiner Ultraschall ohne Borstenbewegung.
Für die blinden Flecken sind drei Punkte aus der Anwendungsanleitung interessant:
- Ansetzen am Zahnfleischrand. Der Bürstenkopf wird im 45-Grad-Winkel entlang des Zahnfleischrands geführt, mit kleinen kreisenden Bewegungen.
- Zwei-Finger-Griff. Die Bürste wird nur mit Daumen und Zeigefinger gehalten. Das hilft, den Druck gering zu halten.
- Positionswechsel alle 30 Sekunden. Ein kurzer Stopp erinnert daran, zum nächsten Abschnitt zu wechseln. Nach drei Minuten schaltet sich die Bürste ab. Das ergibt sechs Abschnitte und damit eine feste Reihenfolge.
Auch für die MEGASONEX gilt: Die Zwischenraumbürste ersetzt sie nicht. Wie sich Ultraschall von Schall unterscheidet, erklärt der Beitrag Ultraschallzahnbürste vs. Schallzahnbürste. Die Unterschiede zwischen den Modellen zeigt der Vergleich M8 und M8 S, die MEGASONEX M8 S finden Sie im Shop.
Wann sollte ich das Thema in der Zahnarztpraxis ansprechen?
Beim nächsten Kontrolltermin oder bei der nächsten Zahnreinigung, am besten mit einer konkreten Bitte. Fragen Sie, ob die Beläge vor der Reinigung angefärbt werden können. Dann sehen Sie im Spiegel, wo bei Ihnen persönlich etwas liegen bleibt. Die DGZMK empfiehlt genau diesen Ablauf: erst selbst putzen, dann anfärben, dann eine Anleitung, die an den tatsächlichen Schwachstellen ansetzt.
Wenn das Zahnfleisch über ein bis zwei Wochen hinweg wiederholt blutet, warten Sie nicht bis zum nächsten Routinetermin. Mehr dazu steht im Beitrag Zahnfleischbluten.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich die Zähne putzen?
Die Leitlinie nennt mindestens zwei Minuten, unabhängig von der Bürstenart. Wichtiger als die Zeit ist, dass jede Fläche erreicht wird.
Zahnseide oder Zwischenraumbürste?
Die Leitlinie empfiehlt an erster Stelle Zwischenraumbürsten. Zahnseide ist für Zwischenräume gedacht, in die keine Bürste passt.
Woran merke ich, wo bei mir Belag bleibt?
Einen ersten Hinweis gibt die Zunge: Saubere Flächen fühlen sich glatt an, belegte rau oder pelzig. Genauer zeigt es das Anfärben in der Zahnarztpraxis.
Ist es schlimm, wenn etwas Belag bleibt?
Ganz ohne Belag zu bleiben, ist mit den üblichen Mitteln kaum möglich. Problematisch wird Belag, der immer an denselben Stellen liegen bleibt: Er haftet dort mit der Zeit fester, und es sammeln sich mehr schädliche Keime an.
Wird aus liegengebliebenem Belag Zahnstein?
Ja. Weicher Belag, der liegen bleibt, kann verkalken und wird dann zu Zahnstein. Den entfernt nur die Zahnarztpraxis. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Zahnstein vorbeugen: 10 Fragen, klare Antworten.
Fazit
Zahnbelag trotz Zähneputzen ist kein Zeichen von Nachlässigkeit und kein Grund, fester zu schrubben. Er zeigt, dass die Bürste an bestimmten Stellen nicht ankommt. Wer diese Stellen kennt, in fester Reihenfolge putzt und die Zwischenräume einmal täglich reinigt, hat das Wesentliche getan. Gründlichkeit braucht keinen Druck.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Zahnputzverhalten – Oft genug, aber nicht sauber genug, Pressemitteilung vom 14.11.2025
- Deinzer, R.; Ebel, S.; Blättermann, H.; Weik, U.; Margraf-Stiksrud, J. (2018): Toothbrushing: to the best of one’s abilities is possibly not good enough. BMC Oral Health 18
- Graetz, C.; El-Sayed, K. F.; Sälzer, S.; Dörfer, C. E. (2019): Häusliches mechanisches Biofilmmanagement in der Prävention parodontaler Erkrankungen. Zahnärztliche Mitteilungen 03/2019 (Zusammenfassung der S3-Leitlinie)
- Worthington, H. V. et al. (2019): Heimanwendung von Produkten zur Reinigung zwischen den Zähnen zusätzlich zum Zähneputzen. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD012018
- McCracken, G. I.; Heasman, P. A.; Swan, M.; Steen, N.; Janssen, J.; de Jager, M. (2003): Effect of brushing force and time on plaque removal using a powered toothbrush. Journal of Clinical Periodontology 30 (5), 409–413
- Apotheken Umschau: Die Regeln für richtiges Zähneputzen
- Techniker Krankenkasse: Zahnbelag, Stand 28.03.2019